Gedichte Liebe

 

Näher als nah

Text zum Thema Absurdes


Ach, könnte ich doch wandern, leicht und locker,
wie frischverliebt an einem Frühlingstag,
durch deine Gedanken, deine Träume...ja durch dein ganzes Leben.
Kramen möchte ich, wie auf einem Wühltisch,
in deinen Erinnerungen,
bestimmt gibt es ein paar kostbare Einzelstücke.

Bin ich vielleicht auch eines?

Ja, teilhaben möchte ich an jeder Sekunde deines Lebens,
vom ersten Schrei bis zum letzten Blick, wo du die Augen
deines jetzigen Körpers für immer schließt.
Und dich besonders "danach" begleiten. Denn ich will wissen,
was dich formte, jedes einzelne Erlebnis -
welches Hand an dich und deine Seele legte.
Jeden Ton, der dein Ohr erreichte,
jedes Bild - welches dein Auge erblickte,
jeder Traum, der dich heimsuchte,
jede Enttäuschung, die dich in der Hölle,-
und jedes Glück, welches dich im Himmel wähnte.
JEDES Gefühl,
alles - einfach alles.

Doch ich befürchte, nein- ich weiß, selbst dann,
wenn ich alles haargenau so erlebt,
gesehen und gefühlt hätte, wie du es getan hast
und weiterhin tun wirst,
wäre ich ein anderer Mensch geworden, als du es bist.
Deine Stärken und Schwächen sind anders als meine,
unsere Seelen aus vielen Vorleben geprägt.

Und doch...ich hätte gerne dein Leben gelebt,
einfach um dich besser zu verstehen,
und noch banaler der Grund,
dir immer so nah wie irgend möglich zu sein.



Copy M. Brandt

 

 

Der alte Charmeur

 

Er ist so satt

von der Liebe und das Leben,

wie sie hungrig danach ist.

 

Sie tanzt den Schritt,

während er aussieht,

als bereite ihm

jede Bewegung Schmerz.

 

Sie fühlt sich hingezogen

zu seinen Armen.

 

Diese könnten Geschichten

von Liebschaften erzählen.

 

Sie liebt das Vergängliche an ihm,

zu sehen wie die Zeit

unaufhaltsam an ihm nagt.

 

Nur in der Gegensätzlichkeit

fühlt sie sich sich wirklich jung

und lebendig.

 

M.Brandt

 

Am Abgrund vorbei

Gedanke zum Thema Denken und Fühlen


So oft am Abgrund der Gefühle für dich
Ich habs nicht mehr gezählt
doch die Angst
vor dem letzten Schritt
ließ ihn mich nie gehen
diesen EINEN letzten
diesen einen
der die Brücke
die Verbindung unserer beiden Welten
zum Einsturz bringt
und uns in unsere jeweilige
zurückschleudert
Dich in deine
Mich in meine

So oft am Abgrund
das Bein gehoben um ihn zu machen
diesen letzten Schritt
und dann doch
wieder Abstand genommen
zurückgewichen
um dir nah zu sein
und in deiner Welt zu verweilen
mit der ich mich
verwachsen fühlte
Vielleicht werde ich noch öfters
an diesem Abgrund stehen
Möge das was mich stets zurückhielt
mich auch dann davor bewahren
diesen Schritt zu wagen
Mögen wir immer wissen
was wir aneinander dann verlieren


M.Brandt

 

Du lässt Fragen schweigen

Gedanke zum Thema Du und Ich

 

DU lässt Fragen schweigen
die mir auf der Seele brannten
Zu Staub sind sie geworden
Wertlos

Wozu nach dem Sinn fragen
wenn ich kein Bedürfnis
nach dem Morgen verspüre
weil ich im JETZT lebe

Du nimmst Dunkelheit den Schrecken
denn wenn ich die Augen schließe
sehe ich all die Momente
die uns miteinander vergönnt waren

Wozu noch Angst vor Unbekanntem haben
kann ich mir doch sicher sein
dass unsere Liebe unsterblich ist
und nichts sich zwischen uns stellen kann

Du lässt Zweifel im Keim ersticken
sie erreichen keine Oberfläche mehr
Mein Glaube an uns
lässt sie zu Grunde gehen

Wozu sich ewiges Leben erhoffen
gilt doch mein einziger Wunsch nur dem
dass mein letzter Atemzug
dem deinem folgt


M.Brandt

 

Es ist nicht so

Gedanke zum Thema Sucht


Es ist nicht so,
dass ich süchtig nach dir wäre,
oder dass ich ohne dich
nicht leben könnte.
Nein, das ist es nicht!
Es ist auch nicht so,
dass es ohne dich
nicht weitergehen würde.
Denn das wird es
ohne Zweifel.
Es ist nur so,
dass ich trotzdem das Gefühl habe,
dass es so ist!

M.Brandt

 


Ver.liebt

Schwachgesinnt
orientierungslos im Alltag
durch Wüste und Eisland

Höchste Tiefen
und tiefste Höhen
abwechselnd
im Katzensprung nehmend

Geprägt durch Schlafentzug
und Dauertraumzustand
Extremsituationen trotzend

Die Welt steht Kopf
doch nie fester stehend
mit den Beinen
im
Himmel

M.Brandt

 

 

Geheimnislüfterin


Ausschütteln will ich sie
meine Seelenmagenhaut,
damit sie all das fallen lässt,
was an ihr klebt.
All jenes, was sie vor mir verbirgt,
all die Bilder,
die sie aus vergangenen Leben gesammelt hat,
aus der Zeit vor der Erinnerung.

Auf links drehen,
das innere nach aussen kehren,
damit all das zum Vorschein kommt,
was mich geprägt hat, was mich zu dem gemacht hat,
der ich heute bin.

Jedes Bild aus mir herauswürgen, welches Aufschluß geben kann
über mein wahres Ich, meine Identität.

Jeden Partikel werde ich umdrehen
und durchleuchten um der Sache
bis auf den Grund zu gehen.

Denn ich muss wissen,
was sie ausmacht,
was sie an sich hat,

wer diese Frau ist,
mitsamt ihren dunklen Geheimnissen,
über die du deine Liebe
wie über die Wüste
verschwenderisch regnen lässt.

 

M.Brandt

 

...einmal doch nur



Dann begehre ich wieder
dieses Unnahbare
jenes
was sich meinen Händen
und Augen entzieht
nur nicht meinem Denken

Dann begehre ich wieder
jenes
was ich nicht haben kann
unter normalen Umständen
Jenes Unerreichbare
Unantastbare

Dann begehre ich wieder
und gehe durch Höllen
bis ich es
wenigstens nur einmal
atmen und fühlen kann
als WÄRE es meins


M.Brandt