Hier bin ich nun. Ja, lesen sich mich genau. Es kommt nicht alle Tage vor,
dass ich an die Oberfläche gelange, denn meist herrsche ich im Verborgenen,
lebe in tiefste Tiefen, dagegen ist das Meer eine flache Pfütze.
Sie fragen sich bestimmt, wer ich denn nun genau bin? Habe ich ihr Interesse geweckt?
Ja, die Neugierde ist eines der größten Tugende der Menschen. Es hat vielen schon das Leben gekostet.
Ich soll mich ihnen zeigen?
Aber das tu ich doch!
Ich liege hier in voller Größe, zischen den Zeilen. Ich bin eigentlich ein ganz smartes Kerlchen.
Nun schauen sie doch mal genauer hin.
Und wenn wir es genau nehmen...ja, lassen sie es uns mal ganz genau nehmen,
die Menschen nehmen eh alles immer viel zu genau,
dann will ich ihnen mal verraten, dass ich sie schon lange kenne. Ich meine, wir beide kenne uns, quasi schon vor der Geburt. Na, hat es schon Klick gemacht?
Nein? Oh man...
Denken wir doch mal tiefer...noch ein Stück....und noch eins.
Ja...hier lassen sie uns ansetzen.
Beim Denken, da sind wir auf der richtigen Spur.
Denken findet im Kopf statt, und genau da bin ich zuhause. In ihrem Kopf.
Unter ihrer Schädeldecke. Genaugenommen behaupten einige, das limbische System mein genauer Sitz. Aber da scheiden sich die Geister. Ich misch mich da auch nicht ein.
Ich bin. Das reicht. Und ich verfüge über gewaltige Kräfte.
Nun, falls sie immer noch nicht wissen, mit wem sie es hier zu tun haben, hier die Lösung:
Ich bin ihr Unterbewusstsein!


Nun winken sie nicht gleich ab! Befassen wir uns doch ein wenig miteinander.
Nur weil ich keine Gestalt habe, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht existent bin.
Im Gegenteil...mich könnte gar kein Körper fassen, ich bin zu groß!
Nun, da wir voneinander wissen und kein Geheimnis mehr sind,
kann ich ihnen etwas erzählen, denn dafür bin ich hier.
Ich möchte, dass die Menschen mich besser kennenlernen, mich mehr beachten,
mir Respekt entgegenbringen, mich würdigen. Sie sollen wissen, was ich ihnen für Dienste erweisen kann, mit meiner Anwesenheit.
Es ist ein wahrer Segen mich zu besitzen.
Und um das ein wenig zu verdeutlichen, möchte ich ihnen eine Geschichte erzählen.
Verdrehen sie etwa die Augen? Sie haben keine Zeit für Geschichten?
Aber ich bitte sie! Manche Geschichten besitzen Magie, lassen sie nicht mehr los, und verändern sie
tief (wie ich dieses Wort liebe!) in ihrem Innern. Ich versichere ihnen, es wird sich lohnen.
Gewöhnen sie sich erst ein wenig an meinen Schreibstil. Er wird gewöhnungsbedürftig sein, aber, er besitzt einen einzigartigen Flair.
Nun denn, folgen sie mir, aber seien sie leise...
Ich öffne mich nur der Stille....

Treten sie ein:

 

Vorwort



Hier bewegt Sie die Geschichte von Monique, die Etienne zufällig über den Weg lief und ihm dann
ihre anfangs noch zaghaften Briefe zukommen lässt.
Ja, der Zufall ist Schuld, ich gestehe. Ihm lässt sich einiges in die Schuhe schieben und erklären,
wo jeder Versuch eine logische Erklärung zu finden, ins Nichts verliefe.
Es gab ein einfaches Zusammentreffen, nach längerem Mailverkehr. Neugier auf beiden Seiten.
Sehr schnell entdeckten sie ihre gemeinsame Vorliebe für Poesie und genau diese wird es sein, die ein Band webt,
welches beide von nun an verbindet und nicht mehr los lässt. Die erotische Komponente lassen wir mal weg,
davon, dass beide sich angezogen fühlen, die eine mehr, der andere weniger, später umgekehrt.
Doch das soll hier nicht der rote Faden sein, der sich hier durch das Buch zieht.
Aber ich ahne...es wird wohl eher auf ein dickes Seil hinauslaufen.
Ja, so ist das Leben, es lässt sich die Richtung niemals aufzwingen, sucht sich immer einen anderen Weg,
als den von unserem Hirn geplanten. Was schaut ihr mich so fragend an? Wollt ihr etwa jetzt schon das Ende wissen, am besten hier im Vorwort?
Na, das könnte Ihen so passen. Die Mneschen nehmen sich einfach keien Zeit mehr. Sie hetzen wie von Geistern gejagt durch ihr Leben
und vergessen, was Leben eigentlich ist...nämlich LEBEN.
Dann hieße das Bekannte Buch nicht: Hurra, wir leben noch, sondern hurra, wir hetzen noch!
Also bitte, fahren sie mal einen Gang zurück, es wird uns beiden gut tun.
Immer ruhig Blut. Aber um ihre Gedulc nicht auf eine harte Probe zu stellen, leg ich jetzt los. Sehen sie, man muss sich nur etwas entgegenkommen,
dann klappt das auch.
Haben sie übrigens schon einmal durchs Fenster geschaut?
Na, was haben wir für Wetter?
Ich möchte jetzt nicht wissen, wieviele plötzlich schon bei dieser Frage auf dem Schlauch standen.
Ja, lachen sie nicht. Es ist toternst. Viel zu viele nehmen das gar nicht mehr wahr, auf den Weg zur Arbeit oder ins Büro.
Sie sind schon mit dem Kopf an ihren Arbeitsplatz, während sich ihr Körper noch total verschlafen
hinterherschleppt.
Ach, wir schweifen ab, aber...ich habe sie doch ans Grübeln gebracht, nicht wahr? Das ist auch gut so.
Nun fangen wir aber an, mit meiner Geschichte.
Hallo? Bitte hierher mit ihren Gedanken....
Ich hab auch genug zu tun. Nun aber.....Attencion please!
 







 








1. Brief
 

 
Ort: Paris, irgendwann im Novembergrau.            Datum/Zeit:Samstag abend, Vollmond
 
 
 
Etienne, mein lieber Freund.....
 
Hier meine ersten Zeilen an dich. Worte gehen mir leichter von der Hand,
als von den Lippen. Lass mich dir also schreiben. Sei Tagebuch und Zeuge meiner Gedanken.
Absurd? Vielleicht....
 
Ich war auf dem Weg, wollte ins kleine Bistro in der Rue de la Paix,
dorthin, wo es dich oft schon hintrieb, so wie mich zu dir.
Die Verlockung dich zu treffen (auch mit Worten) war größer, als zu Hause zu sitzen.
Mein lieber zwiegespaltener Freund, der doch immer NUR mein Freund sein möchte,
niemals mehr, zumindest glaubst du deinen Worten.
Du legst besonders viel Gewicht hinein, damit sie an Schwere gewinnen
und deine Füße auf dem Boden deiner hergewünschten Tatsachen halten.
Wie leicht wäre es sonst, zu fliegen?
 
Du sagst, du warst dort, doch nach meinem Wissen, wolltest du woanders hin,
weshalb ich mich zu Hause vergrub. Was ließ dich umschwenken?
Vielleicht war der Alkohol Schuld? Ich glaube, er bringt genau das an die Oberfläche,
was man darin zu ertränken versucht.
Ja, ich denke, er hat deinen Geist gelockert, du bist zu sehr gefangen
in dir, mein Freund.
Deine Gitterstäbe hast du in deinem Kopf. Alkohol hat dir die Kraft gegeben - kurzfristig,
diese genau soweit auseinanderzubiegen, dass deine Wünsche hindurchschlüpfen konnten.
Wie schön, das zu lesen....
 
Hätte ich das geahnt, ich hätte es mir nicht nehmen lassen, Zeuge zu sein.
Aber so, ohne deine Anwesenheit, war es besser nicht unter die Menschen zu gehen.
Wahrscheinlich hätte jeder von den Männern irgendetwas von dir besessen,
das mich an dich erinnert, etwas, dass ich hätte betrachten wollen, berühren...
Sie hätten mich nicht abgewiesen, wohl eher ermutigt, weiterzugehen.
Das wäre aber nicht das gewesen, was ich gewollt hätte, nicht das, was mir Antrieb war....
Du hast es selber gefühlt, erlebt.
 
Dein Herz spürt, wenn du ihm etwas anderes vorsetzen willst,
etwas unterschieben, einen billigen Ersatz dessen, wonach es sich verzehrt.
Es gelingt dir nie, egal wie tief du ins Glas geschaut hast,
die Stimme deines Herzens zu betäuben, sie wird niemals lallen oder undeutlich werden,
du wirst sie immer klar und eindringlich vernehmen.
Egal, ob und wieviele Eroberungen auch willig gewesen sein mögen.
Das alles ist reiner Selbstbetrug, denn mit jedem Fehltritt deines Verstandes,
bekommt deine Seele blaue Flecken.
 
Oh, ich kenne das, deshalb blieb ich fern....Manch Nächte sind zu gefährlich,
für solch dünnhäutige Menschen wie mich.
Ich spüre tiefer, feiner, mir bleibt kaum eine Nuance verborgen.
Oft verirre ich mich in den Träumen der Männer,
kann sie lesen, sie tragen sie in ihrem Gesicht.
Manchmal möchte ich es streicheln, damit sich ihre Züge lockern, entspannen.
Ihre Sehnsüchte graben sich fest in die Haut ein,
je länger sie unerfüllt waren, desto tiefer sind sie.
 
Dein Gesicht, mein Freund ist viel zu glatt für dein Alter.
Es hat noch nicht genug gelitten, gehadert, gesehnt,
das Leben hat es noch nicht zeichen können. Du bist ein fast unbeschriebenes Blatt.
Doch ich kann es ahnen, irgendetwas hat begonnen, etwas hat einen Stein ins Rollen gebracht,
und nun hat das Leben den Stift in die Hand genommen,
und beginnt dein Buch zu schreiben....
Die Überschrift ist gemacht.....
Und ich kann es kaum erwarten darin zu lesen....
 
 
Timide Bisous,
(scheue Küsse)
Monique


Ps: Ich werde dir zu jedem Brief ein Gedicht schreiben, passend auf jede Situation zugeschnitten, eigens für dich!

Ich beginne hier:



Nachtwanderin


Es wimmelt nur so
von Möglichkeiten
wo ich dich nicht finde
egal welche Richtung ich nehme

Jede Stadt
mit all ihren grauen Straßen
all den fremden Häusern
aus deren Fenstern nachts Licht
zu mir herüber dringt

All den Parks durch die ich
im Nebel schlendere
all den Wald und Feldwegen
mit ihren schlängelnden Gräben

Jeder schwere Schritt den ich geh
ist bestimmt einer
der nicht zu dir führt
und doch suche ich
mit jedem deine Nähe

Keinen blassen Schimmer
wo du gerade bist
was du gerade tust und denkst
aber ich weiß
die Nächte sind voll von dir


M.B

 

 





2. Brief




Ort: in mir                                                              Datum/Zeit: 2 Tage später




Ich bin in Gedanken, mein lieber Etienne.....

Du hast geschrieben, mir ein Bild von dir beigelegt.
Dein Blick beschäftigt mich sehr. Er beherbergt so eine Traurigkeit,
weit hinter deinem Glanz, der ein Strahlen vortäuscht.


Ich denke, du brauchst Nächte, viel mehr Nächte. Nächte in denen du müde vom Tag bist,
ausgelaugt, damit deine Widerstände gebrochen sind. Du brauchst mehr Einsamkeit,
sie muss dich ruhelos machen, suchend...treibend.....sehnend.
Die Einsamkeit, welche dir zuerst als Feind erscheinen mag, wird dir Freunde bringen,
die Poesie wird dir näher sein, du wirst in deine Tiefen blicken, deine Gier nach Lust entdecken.
Letzteres ist das, von dem du dich sehr weit entfernt hast,
hast es gleich zu Beginn getrennt von dir gehalten, wie etwas, dass nicht zu dir gehört
(ich gebe zu, in ihr eine Freudin gefunden zu haben, die mein Schicksal teilt)
Du hast sie geleugnet, sobald sie anfing, ihre Augen zu öffen,
um sich ihren festen Platz in deinem Leben zu suchen.
Sie ist für dich wie ein großes, böses Tier...bedrohlich, macht dir Angst.
Bist dir nicht sicher, ob du es sie im Zaum halten kannst, ob es dir gelingt es sie zu bändigen,
würde es sie nur kurz einmal die Oberhand gewinnen.
Es käme auf einen Versuch an, ich wünsche dir Mut dazu.
Ein Teil wird es immer von dir sein, es wird sich in deinenTiefen, dorthin wo du es verbannt hast,
knurrend und zähnefletschend Gehör verschaffen....




Es regnet, mein Freund. Die Tropfen verschönern die Serenade von Schubert,
die meinen Brief an dich begleitet. Weißt du, manches im Leben
passt zusammen, ergänzt sich, trotz Andersartigkeit.

Du würdest hier gerade ebenfalls gut ins Bild passen, eigentlich bist du es schon,
auch wenn du gerade in der Vernissage verweilst.
Ein heimlicher Wunsch kann dir etwas vorspielen, wahr werden lassen,
er muss nur stark genug sein.
Oh nein, mein Zwiegespaltener,  es ist nicht so sehr von Bedeutung,
ob du körperlich anwesend bist ...
Was bedeutet es schon, wenn Hände zwar Haut zu fassen bekommen, aber nicht dein Herz?
Da ist mir der umgekehrte Fall viel lieber.


bisous,

ta petite amie
(Küsse, deine kleine Freundin)

Monique



Jenseits aller Erklärungen


Jenseits aller Erklärungen
liegt der Wunsch,
dich zu zwingen
tief in die Knie.

Hier vor meinem Begehren
sollst du liegen,
seine Opfergabe sollst du sein
und dich frei fühlen wie nie.

Zu oft deine Lippen
auf meine geträumt.
Zu oft ist jede Pore
vor Verlangen übergeschäumt.

Gewalt ist mir zuwider,
fließ einfach zu mir her,
oder ich schenk dir meinen Wunsch,
er wiegt ungeheuer schwer.

Folter, wenn man alleine daran trägt,
gefühlte Linderung verspür ich nur,
wenn sich dein Schatten zu mir legt,
sich an meinem Rücken reibt
und einen Traum lang bei mir bleibt.

M.B





3. Brief



Ort: Canapé (Sofa)                                                                        Datum/Zeit: Teezeit




Etienne, mein Lieber....


du schreibst, das Leben erscheint dir hart. Doch hart erscheint es dir nur, weil du dich nicht gibst, wie du bist.
Es ist anstrengend eine Rolle zu spielen, sich zu verstecken.
Deine Freunde mögen dich kennen, aber nur das, was du vorgibst zu sein.
Ich aber erkenne jenes, was du versuchst zu verbergen.
Und weil du falsches Zeugnis von dir abgibst, und es ein Naturgesetz ist, dass man anzieht, was man ausstrahlt,
ziehst du genau diese Menschen an, die so ganz anders als du sind.
Und dann fühlst du dich am falschen Ort, fühlst dich unverstanden, anders als sie.

Es ist- als wolltest du als Schaf unter Wölfen leben,
es ist- als würdest du dir einen schwarzgrauen Pelz umhängen, um so wie sie zu sein,
nur um anerkannt zu werden. Ist das erstrebenswert für dich:
vermeintlich geliebt zu werden- für etwas, das man gar nicht ist?

Du wirst immer ein Eindringling sein, nie einer von ihnen.

Sie werden dich nicht töten, aber dieses, dein eigenes Spiel wird es tun,
es wird etwas in dir umbringen.
Es wird dich einengen, deine Größe nehmen, dein Potenzial.
Das ist der Preis, den du bezahlst, um einer von ihnen zu sein.



Krieger


Du machst mich Trunken
mit deinem sanften Himmel-Blick,
hinter dem eine Welt verborgen liegt,
die längst ausgelitten, ausgelebt,
doch niemals vergessen ist.

Das ganze Elend dieser Zeit
hat dir einen Hauch von Wehmut
auf dein schönes Gesicht gestreichelt,
wie ein Denkmal für einen großen Krieger,
der du auch bist!

Denn trotz Gefühls ständiger Verlorenheit,
trotz vieler Tage ohne Licht,
Nächte ohne Wärme,
hat dein Lächeln
nie sein Leben lassen müssen!

M.B



Mon coeur (mein Herz), du bist in ihrer Welt ein Diamant unter Kohlen,
und ihr Staub färbt auf dich ab, macht dich schwarz wie sie, verschütten deinen Glanz, schlucken ihn,
so dass du nicht mehr auffällst, außer Seelen wie mir...

Wenn du dagegen dein Wesen zeigen würdest, dein wahres Ich,
dann ziehst du genau diese die Menschen an, die dir ähnlich im Herzen sind,
sie werden wie von Geisterhand in dein Leben treten und dich umgeben,
als hättest du ihnen eine unsichtbare Tür geöffnet.
Dann wirst du dich am richtigen Platz fühlen, dich angenommen, geliebt, so wie du im Grunde deines Herzens bist.


Eine Traurigkeit macht sich breit in mir, weil du deine Größe nicht erkennst, weil du sie nicht zum Leben erweckst,
sie auf Eis gelegt hast, gelähmt hast.
Hauch ihr Leben ein, sie muss atmen!
Ich sehe dich noch vor mir, an diesem Abend in dem kleinen Bistro:
Ein Paradiesvogel in Lederjacke, ein Bier in der Hand
und Poesie im Herzen, die überquillt.



Etienne, du gibst der Welt soviel, bereicherst Herzen mit deinem stillen Charme
und honigsüßen Worten. Bring sie auf Papier, dann werden sie das Herz dahinter lieben.



Bisous de nombreuse petites
(Küsse, viele kleine)
 
Monique

 



Schattengefühl

Verborgen
liegt mein Gefühl für dich
weit entfernt
von der Realität



Beides zusammen
verträgt sich nicht

Noch nicht

Vielleicht auch niemals

Aber ich geb es nicht her

Es bringt so viel
von mir
zum Vorschein
an die Oberfläche

Es birgt soviel Träume
und Sehnen

Lass mich schreiben davon
damit alle Welt es liest
und
geheimhalten

vor dir


M.B

 




4. Brief




Ort: Im Geheimen, bei einem Glas Château Capion                                                        Datum/Zeit: Kurz vor Mitternacht    

                      
                                                                                                                                                          

Etienne, mon cher

der Füller befand sich plötzlich in meinen Händen,
es geht kein Weg an diesem Brief vorbei.


Lass mich etwas Erotik ins Spiel bringen, einen Hauch nur, eine Prise.

Was wäre das Leben ohne sie? Es würzt sie..ist wie das berühmte Salz in der Suppe.

Nein, keinen Grund zur Panik, mein Freund...
Wie könnte ich dir zu nahe kommen?
Ich begebe mich in Worten auf die Reise zu dir.
Dein Körper ist in Sicherheit- zugegeben, dein Geist nicht. Es lässt mich schmunzeln.
Du witterst überall Gefahr, ja oft auch zu Recht....
Das Leben hat bei dir nicht an Stolpersteinen gespart.
Trotzdem....

Lass uns einander noch mal treffen.
Gib mir geistige Nahrung, die körperliche verweigerst du mir. Nicht, dass ich Hoffnungen hegen würde,
aber die Möglichkeit brannte sich mir hinter die scham-gesenkten Lider.
Der Körper ist vergänglich, die Seele bleibt, es reicht, wenn du SIE berührst.

Chopin spielt leise im Hintergrund Nocturne. Er ist ein Meister seines Fachs, der einen Weg gefunden hat,
seine Gefühle hinausfließen zu lassen, durch seine Musik. Wie sicher seine Hände
über die Tasten gleiten, manchmal meint man, er fliegt darüber, ohne sie wirklich zu berühren.
Sie gleichen meinen Blicken, die ich oft heimlich über dein Gesicht streichen ließ,
als wir uns gegenüber am Tisch saßen. Leichte Röte überzog meine Wangen,
Hitze stieß mir wie ein Schwert in die Brust, wenn dein Blick mich dabei überraschte
und ich befürchten musste, du könntest mich ertappt haben.

Etienne, wie kein anderer hast du es geschafft, mich mit dir zu durchfluten.
Nun tobt ein Meer in mir, wild und aufbrausend.
Meine Gedanken erzeugen Gefühle, die wie Gischt an die Brandung schellen,
ohne daran zu zerbrechen.
Überschäumend peitschen sie zurück Richtung Horizont, als wollten sie ihm ihr Leid klagen,
um dann mit Anlauf zum neuen Versuch aufzubrechen, um sich mit dem Kopf durch die Wand,
direkt unauslöschlich in dein Herz zu rammen.

Deine Zurückhaltung ist süße Folter, mon Coeur (mein Herz). Du kannst nicht anders, es ist dein Naturell.
Du zwingst meine Leidenschaft in die Knie.

Ich sollte es dir nicht beichten, lieber Freund, es wird dich vielleicht verschrecken.
Aber der süße Rotwein, er erinnert an deine vollen Lippen, er berührt so weich und wohlwollend meine Mundhöhle,
dass meine Fantasie mir vorspielt, deine Zunge zu spüren.

Verzeih bitte, dass ich mich nicht zurückhalten konnte und dieser wundervollen Versuchung ein wenig nachgegeben habe.
Bin ich auch berühmt, bekannt für meine Stärke, meine Unnahbarkeit, aber unter deinen Worten, deinem Blick verwandeln sich die jahrelang mühsam erbauten Mauern in filigrane Schmetterlingsflügel,
die sich schnellstens aus dem Staub machen.


Etienne...du verwandelst mich, das macht mir ein wenig Angst,
ich muss jetzt gehen.


Bisous, plusieurs fois
(Küsse, immer wieder)

Monique

 



Wach auf


Eine Million Meilen
reise ich mit meiner Gedankenflut
durch die Nacht
mit ihren Flüsterstimmen

Schnappe hier und da
ihre Wörter auf
wandele sie um in Gefühle
die mir dann den Atem nehmen
Jeder Abstand der möglich wäre
ist mir noch zu nah bei dir

Du hast dich
an mein Herz gekuschelt
bist scheinbar tief gefallen
in einen
nicht endenwollenden Schlaf

Wach auf
der Morgen graut und mir auch
Dein Weg führt weiter
und meiner ist jener
genau gegenüber

Nur so kann ich sicher sein
nicht über deine Spuren zu stolpern
denn sollte ich sie je wittern
muss ich ihnen folgen
wie einem Naturgesetz

M.B

 





5. Brief



Ort: Fremdes Schlafzimmer                                                                                                             Datum/Zeit: fehlt mir





Psssst....Etienne....

Neben mir schläft ein beinah Unbekannter, möchte ihn nicht wecken. Ich hab ja meine Schreibutensilien immer bei mir, wie andere Frauen ihren Lippenstift.
Ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll, habe aber das Gefühl, durch das Schreiben an dich mich hier weniger fremd zu fühlen.
Du fragst dich vielleicht „was tut sie dort“, auch wenn du dich selbst ermahnst, dass es dich ja gar nichts angeht. Trotzdem.
Vielleicht  würde ich mich auch fragen, wenn du neben einer fast Fremden aufwachen würdest. Ja mehr noch, ich glaube, es würde weh tun.
Warum das so ist, ich kann es dir nicht erklären. Du bist mir in einer seltsamen Weise wichtig geworden, ein Tagebuch im Freundformat,
einer mit dem ich Herz und Gedanken teilen kann.
Nein, du hast diese Stellung bei mir nicht gewollt, ich auch nicht.

Es ist passiert, wie viele Dinge einfach so passieren. Niemand hat sie gerufen, niemand hat danach gefragt und doch plötzlich- ist es einfach genau so,
als wäre es nie anders gewesen.
So wie du und jetzt der Typ neben mir. Obwohl letzteres wird ein einmaliges Erlebnis bleiben.
Was hab ich nur wieder angestellt?  Lass mich zurückdenken, und sei du mir Zuhörer.

Es war so eine total leere Nacht. Alles bot sich mir grau, dunkel...gähnend. Ich hielt es nicht mehr in der Wohnung aus, also habe ich mir meine Jacke übergeworfen,
meine Handtasche geschnappt und bin hinaus geflüchtet.
Nebel quoll die nasse Strasse entlang und Feuchtigkeit kroch mir kalt an den Beinen hoch. Ich ging schneller, wollte der Ungemütlichkeit entkommen.
Wie früh es schon dunkel wird! Die Kirchenuhr schlug sieben mal. Fast unheimlich kam mir die Welt vor und ich mir ebenso.
Mein Haar hing mir in die Stirn, die Nässe hat es schwerer gemacht. Ich sollte irgendwo einkehren und mich aufwärmen, bevor ich mich erkälten würde.
Mit diesem Ziel vor Augen streifte ich weiter durch die Gassen, war gedankenverloren in deinem Gesicht vertieft, welches ich in letzter Zeit immer öfters vor mir sehe.
Du entwickelst dich zum ständigen Begleiter, mein Freund.


Ich weiß nicht wie, aber irgendwann stand ich vor einer Taverne. Ich mag dieses Wort. Ich hätte sie gar nicht entdeckt, wäre achtlos an ihr vorbeigelaufen,
wenn nicht plötzlich die Tür aufgesprungen wäre und ein junger Franzose die Stufen hinunter gestolpert wäre. Ich war ziemlich erschrocken,
worauf sich der Mann bei mir vielmals entschuldigte. Habe kurz abgewinkt und wollte weitergehen, aber er bestand darauf, mir als Wiedergutmachung einen Drink zu spendieren.
Seine Art zu lächeln war wie ein Zwilling deines Lächelns! Wie ferngesteuert schwebte ich ihm hinterher.

Etienne, wo warst du?

Die Nacht war trotz ihrer Rauhheit anschmiegsam, der Typ vor mir auch. Und ich floss immer mehr seinem Lächeln, das für mich DEIN Lächeln war, entgegen.
Konnte gar nichts anderes mehr sehen, als diese ungehörig erotischen Lippen, sanft gebettet in dieses fast schon ironisch zu nennende unwiderstehliche Grinsen.
Lange saßen wir zusammen, Stunden vergingen.

Etienne, ich glaube mit Leere im Herzen, hat es die Zeit nicht mehr ganz so eilig, besitzt sie mehr Augenblicke.
Im Hintergrund lief Musik, ausgerechnet dieses verfluchte Lied von Jaques Brel mit" Ne me Quitte pas."
Dieser Text, der mich gleich woller Wucht gegen deine imaginäre Brust warf, weil er so viel von meiner Sehnsucht in sich trägt.
Er füllte augenblicklich meine Leere aus und trieb sein melancholisches, magisches Spiel mit mir.
In meinen nervösen Händen, die immer irgendwie auf der Suche nach deiner Haut waren, schmiegte sich wohlig wie eine Katze ein Glas Wein.
Es muss ein ganzes Tierasyl gewesen sein, nach meinem Kopf zu urteilen.
Ohne dieses Teufelszeug wäre ich sicher nicht hier, in diesem sündigen Bett aus roter Seide.

Alkohol bekommt meinem Willen nicht, er lähmt zu sehr. Mir schwinden die Bedenken, verteilen sich im Raum und so sehr ich sie auch suche,
sie halten sich versteckt, irgendwo, für mich nicht mehr auffindbar.
Mal ehrlich, ich habe den leisen Verdacht, die beiden mögen sich nicht, können sich nicht ausstehen, nicht riechen.
Alkohol und Bedenken können niemals Freunde sein, zumindest nicht in meinem Hirn.
Wenn wir uns vielleicht wieder sehen, halte ihn von mir fern, sonst musst du mich von dir fernhalten,
und das wird ein weitaus schwierigeres Unterfangen sein.

Was gibt es zu dieser Nacht noch zu sagen? Mich zu erinnern fällt mir schwer. Nur soviel: Nein, er hat die Situation nicht ausgenutzt,
er war ein echter Gentleman.
Als es mir gegen 5 Uhr ziemlich mies ging, ich nicht in der Lage war, bis nach Hause zu kommen, nahm er mich kurzentschlossen mit zu sich.
Er wohnte nur eine Straße weiter.

Der Rotwein bekam mir nicht, und als er sich einen Weg aus mir bahnte, war es mir,
als riss die Spülung dieses süsse Lächeln von dir mit … ich brauche dringend ein neues …

Ich sollte jetzt gehen, mon Coeur (mein Herz)....bevor er wach wird.

Diesmal keine Küsse, sie wären schal im Geschmack,
ich umarme dich, immer wieder nur dich,

Monique



Liederzauber

Diese Melodie
durchströmt mich
im Gleichklang
mit meinem Sehnen

Du kannst dieses Lied
nicht verstehen
es ist dir fremd
und sagt dir nichts

Mich lässt es Bilder sehen
lässt es träumen
lässt es leiden
lässt mich schreiben

Es öffnet Türen in mir
macht mich weich und verwundbar
und manchmal lässt es mich
verrückte Dinge tun

Du wirst es lesen
und doch nicht wissen
dass es für dich
geschrieben ist



M.B

 






6. Brief





Ort: Wunderland                                                       Datum/Zeit: wen interessiert das grad?




Etienne,
mein wunderbarer Wort- Virtuose,
lass mich dir meine Verzückung in diesen Brief offenbaren,
über deine erotischen Zeilen, die mich gestern abend noch erreichten.
Spürte ich doch immer schon ein schlafendes Genie in dir, so wurde mein intuitives Wissen
durch deine so berührenden offenen Worte um Längen übertroffen.
Dieses Meisterwerk, dieser aufgrund von Schlafentzug in einem rauschähnlichen Zustand entstandene Text,
vermischt mit der Lust, die aus deinen Tiefen erwachte, als ich dir ein unanständiges Foto von mir zukommen ließ,
einzig zur Inspiration, hat mich vollendens überzeugt von deinem Können.

Berauscht hast du mich in dem Moment, wo ich sie las,
zu einem willenlosen Wesen gemacht.
Mittlerweile bin ich wieder gestärkt und ein Teil meiner Selbst.
Und doch hat sich seit dem etwas geändert:


Die ganze Luft schwingt von dir, sie umgibt mich und ich fühle mich,
egal wo ich bin, von dir umgeben.
Ein unsichtbares Streicheln trägt jeder kleinste Windhauch
an mich heran, streift den zarten Stoff meiner Bluse und umschmeichelt spielerisch meine Brust.
Wie aus dem Dornröschenschlaf erwacht, strecken sich meine zarten Knospen vorwitzig durch das Geschmeide.
Als wollten sie schauen, wer es wagte, sie zu reizen.
Es geht an die Substanz, dieses Wechselspiel zwischen Moral und Leidenschaft.
Während die Moral mich dir entzieht,
lässt mich die Leidenschaft, fast auf dem Fuße folgend, dir an den Hals werfen.
Letzteres lässt unzüchtige Gedanken entspringen, wie junge Fohlen, wild und unberechenbar.
Unverzeihlich meine Offenheit, wäre sie der Grund mich in deinen Augen
als obszön dastehen zu lassen. Niemand kann wissen, was unbedacht ausgeprochene Worte bei einem anderen anrichten können.
Mit jedem Wort verändert sich das Bild dieses Menschen, der redet.
Es entsteht immer wieder neu, formt sich mit jedem Satz.
So unterliegt jede Seele der ständigen Veränderung in den Augen anderer.

Etienne sag, wie sehen deine Augen mich, und wie dein Herz?


Ein Vibrieren erfüllt mich, mit jedem geschriebenen Wort,
dass meine Hand zu dir entlässt,
vielleicht vermagst du beim Lesen noch sein Echo spüren?


ton admiratrice grande (deine große Bewunderin)

Monique




Hey Du

Hey du, ich kann dir nicht sagen, dass die Nächte tiefer und stiller sind,
seit ich dein Bild sah.

Wenn ich alleine bei Kerzenlicht im Zimmer sitze,
während die Welt da draußen schläft.

Die Musik dringt in meine Seele,
und meine Gedanken fliegen zu dir.
Mit jedem Ton legt sich die Melancholie fester um mein Herz,
und die Sehnsucht hält mir die Augen offen,
für all die Dinge, die ich nicht sehen kann: Deine Augen,
dein Haar, deine Hände und wie dein Mund die Worte formt,
die du mir verschweigst.

Hey du, ich kann dir nicht sagen, dass diese Nächte sich füllen
Stunde um Stunde mit Bildern von dir.
Auf meinem Körper rekelt sich die Müdigkeit, aber der Schlaf will mich nicht erlösen.
Schwer wie Blei wiegt Einsamkeit, und ich frage mich,
wie man ihr Flügel verleihen kann, um sie auf den Weg zu dir zu schicken.
Verdammt, warum kann Verlangen keine Erlösung verlangen?
Warum hält mich etwas Fremdes wie dich gefangen?
Es gibt kein Verstehen und kein Vergehen.
Ich verschweige jedem mein Gefühl, dieses absurde, nur mir selbst gelingt es nicht.

Hey du, wir gehören uns nicht,
wir sind wie zwei Planeten, unser Weg wird sich nicht kreuzen,
für manche Wünsche reicht keine Kraft, kein Gebet,
wir kamen für ein UNS einfach zu spät.
Wie grausam vom Schicksal, uns einen Hauch streifen zu lassen,
vom andern, und dann zu vergessen uns mit Blindheit zu schlagen,
für diesen Moment, wo es passierte.
Er stürzte in mein Herz, wie ein Komet, nur hat er vergessen zu verglühen in ein Nichts.
Baby, es brennt....und ich weiß nicht, wie man dieses Feuer- vom anderen Stern löschen
kann.



M.B


 







7. Brief

Ort: In Gedanken bei dir                                                                                    Datum/Zeit: wie meist nachts







Etienne,

ich schaffte es nicht, deine Worte aus meinem Hirn zu verbannen. Jetzt, 3 Tage später klingen sie noch in mir nach.
Zwischen Halbschlaf und Lust lässt du mich hier sitzen.
Du schaffst mich....du mit deiner schüchternen Süße, die mir so schwer auf dem Herzen liegt, mir den Schlaf raubt.
Gebrandmarkt mit Gier ist jeder meiner Blicke, den ich auf dein Foto werfe, auf dieses unverschämt schöne Gesicht.
Ich kann meine Augen nicht von deinen lassen, immer wieder fange ich sie auf, die so schmerzlich sehnend suchend sind.
Nächte schlag ich mir damit um die Ohren, jede einzelne, seit ich dieses Bild sah.
Es hat sich mir hinter die Lider gebrannt.
Und dann diese Worte, die du mir geschrieben hast, aus den Tiefen deiner Seele hervorgeholt, um sie mir ins  Herz zu legen,
das müssen die sein, die an dem Abend, als dieses von Magie durchzogene Bild aufgenommen wurde, hinter deinem Blick verharrten,
damit sie genau in dieser Stunde vollendet vor mir liegen, genau so, dass sie mich in lebenslanger Haft nehmen konnten.

Du hast der Nacht ihre Ruhe, ihre Stille entrissen. Stundenlang wälze ich mich in den Kissen,
egal wie herum ich mich drehe und wende, rechts oder links, Bauch oder Rückenlage,
du zerrst an meiner Lust. An Schlaf ist nicht zu denken, wenn der Schoß erst Feuer gefangen hat.
Komm, schick mir deine Hand durch die Nacht
und leg sie an jene Stelle, dorthin- wo es wütet.

Hättest du nur 1000 Hände, liebster Schuft!


Monique

 


Grauzonenaufenthalt

Nur die Nacht
weiß einen Weg,
wie ich zu dir gelangen kann,
die andere Hälfte
ist für uns tabu.

Die Grauzone
ist das Gebiet,
in das ich dir folgen kann,
doch das traut sich nur ein Mann,
der den Moment
zu nehmen weiß,
wie mich,
wenn die Zeit gekommen ist -
jener Augenblick,
wo du
für mich berührbar bist.

Nicht jeder versteht
ihn zu nutzen,
seine Kraft, die ihm innewohnt,
die dich für die Entbehrung des IMMERS
tausendfach entlohnt.

Zu viele scheitern daran,
weil sie Grenzen nicht überwinden
und mehr verlangen als den Augenblick.
Lassen das Potenzial
des Moments ungenutzt,
verschmähen das kurze Glück,
das enorme
Tiefe besitzt, und lassen es achtlos zurück...

M.B


 


 


 

8. Brief


Ort: Paris                                                                                                                                           Datum / Zeit: 16 Uhr Teezeit



Etienne, mein liebster Freund,

ein schneller Gruß noch, der dich erreichen soll, bevor dich die Festlichkeiten einholen.
Du musst unter die Leute, bald schon, obwohl jetzt alles dich in die Traumwelten zieht,
aber selbst da, wird dich die Inspiration, die Poesie nicht mehr aus ihren Klauen lassen,
Sie bekam dich zu fassen, in einem winzigen Moment, so winzig, dass selbst du ihn kaum bemerkt hast,
da- wo die Sehnsucht Besitz von dir nahm,
wo Träume anfingen, dich seit dem- auch am Tage einzuholen.

Ich kenne das Gefühl, diesen Drang, jedes Erfahrene, Erfühlte, in Worte pressen zu wollen.
Sie haltbar zu machen, zu konservieren, damit die Augen sie jederzeit wieder nachlesen und zurückholen können.
Kenne deinen unermüdlichen Versuch, Gedanken festzunageln, die doch sonst so flüchtig und wirr sind.
Kaum gedacht, sind sie schon im Nirgendwo verschwunden, und dir bleibt nur noch eine leise Ahnung von dem Gefühl,
ihren Schatten, den sie dir zurückgelassen haben.
Mein Lieber, du wirst tanzen, lachen und ich werde wissen,
was wirklich in dir vorgeht. Werde wissen, dass sich in deinem Kopf
dein eigener Film abspielt, während niemand weiß, dass in dem lachendem, sich der Musik hingebenen Körper der Geist nicht verweilt....
Er ist längst schon auf Reisen, dem ZIel deiner Gedanken folgend, ein Trittbrettfahrer.
Ich werde dort warten, während mein Körper den Haushalt verrichtet, ein Buch liest, oder mit Freunden redet.

Lass mich gespannt sein, auf all die Wort-Souvenirs,  die du mir von dieser Reise mitbringst.
Vielleicht habe ich auch welche für dich.

Wir werden sie tauschen, um einander zu berühren...

Vergiss nie, ich bin in deinen Gedanken zuhause, immer bei dir.


Monique

 


Bis zum Letzten

Im Sehnen möcht ich mich verlieren
wie eine Meise in der Nacht
wild und ahnungslos
herumirren
nicht wissend
welche Widerstände mir begegnen
oder welch Tiefen

Auslotsen das Unbekannte
bis sämtliche Kräfte weichen
bis das Herz nicht mehr zittert
mein Ahnen nichts mehr wittert
die Haut nicht mehr bebt
nur um zu wissen
wie es sich
im Sehnen bis zum Letzten
lebt

M.B
 


 

 

9. Brief

 


Ort: Traumland                                                                                                                 Zeit: ohne Bedeutung




Etienne, du mein Wortzauberer...



Heute beim Abendbrot fand ich wieder deine nächtlichen Jagderfolge. Hast deine Gefühle, die der Einsamkeit,
und der Wunsch nach Nähe entsprangen aufgelauert und überwältigt...
Du hast mir die Beute in mein Mailfach gelegt, damit sie mich unterhalten, beschäftigen,
meine Sehnsucht besänftigen, wenn du heute nicht mit mir schreiben kannst.
Dabei ist es uns schon zu einer lieben fast täglichen Angewohnheit geworden.

Es ist mir ein Rätsel, wo du solch großes Wunderbares
all die Jahre in dir versteckt gehalten hast.


Zeichnest mir mit deinem Ideenreichtum immer mehr neue Wünsche in mein Unterbewusstsein,
malst Bilder in mir, die einzigartig, fremd, und exotisch sind.
Deine Wortzusammenstellung - macht mich sprachlos!
Du, mit deinem butterweichen Blick....der sich um jedes deiner Worte schlängelt,
mich hypnotisiert, mich nicht hier von der Tastatur weglässt.
Möchte meine Lippen auf deinen Mund schmiegen und
jedem deiner süchtig machenden Worten den Weg abschneiden, einsaugen,
noch bevor sie in die Welt entfliehen können.
Möchte sie in mir gefangen halten, damit sie in mir leben, mich ausfüllen-zeitlebens,
dieses wunderbare Paradies, dessen begnadeter Schöpfer du bist.

Die Welt mit ihren vielen unsensiblen, rücksichtslosen Gestalten
ist nicht der richtige Ort für dieses Gottesgeschenk....
Mein Körper wird sie sicher verwahren, dort können sie Wunder wirken....
schau in meine Augen und du wirst ihren Glanz darin entdecken.




Bisous,
Monique


Jenes Unerfüllbare

Auch wenn ich dich nicht so berühren kann,
wie du es unbewußt bei mir getan hast,
so will ich mich nicht beklagen.

Weißt du,
die Welt hielt für mich den Atem an,
ich weiß nicht was ich in dir sah,
ich weiß nicht,
was du berührt hast,
welches Stück von meinem Herzen,
du infiziert hast,
mit deinem Zauberblick.

Auch wenn ich dich nicht küssen kann,
liebe ich es,
deinen Mund zu beobachten,
meinen Blick an deinen Lippen
entlang gleiten zu lassen,
während meine Finger sich ineinander verhaken,
um nicht der Versuchung zu erliegen,
das zu berühren, was das Auge begehrt.

Es muss nicht alles wahr werden,
auch Träume, die nicht erfüllbar sind,
haben Mächte,
die das Herz wärmen und Lächeln schenken,
mit dem ich anderen Mut geben kann.
Lassen mich vielleicht jemand anderen umarmen,
und mich in dem Glauben-
dass du es bist.

Aber hey, ich werde Stücke schreiben
immer wieder neu,
jedes tiefer als das vorige,
für all die,
die sich in meinen Worten wiederfinden.
Ich gebe ihnen eine Spur  Hoffnung,
dass es weiter geht,
und das nur dieses Gefühl-
ihren Traum unsterblich macht.

M.B
 




10. Brief
 

Ort: tief in mir                                                                                                      Zeit: zu spät für klare Gedanken



Etienne, mon cher....

Nun bist du wieder daheim, nach Nächten fast ohne Schlaf, dafür aber inmitten
der Stimmen der Nacht. Menschen, Musik, hungrige Augen und Seelen.
Und deine unter ihnen...hungriger als jede andere, weil dich alles nach mir gesehnt hat,
nach mir, die schon in weichen Kissen lag, die nicht schlafen konnte, weil die Entfernung
zwischen uns, jeder Meter mich unruhiger hat werden lassen. In meinen Gedanken
schrieb ich dir längst wieder einen Brief, in der Hoffnung, dich wieder mit jedem Wort näher
zu fühlen.
Weißt du, Etienne, zwischen meinen Zeilen liegt ein Raum,
zu dem nur der Lesende Zutritt hat. Niemand anderem ist erlaubt,
ihn zu betreten. Er ist wie ein heiliger Ort, der Seele Gral,
erschaffen aus all dem, was diesen Menschen geprägt hat,
auch aus all den Leben vor diesem Leben.

Selbst ich finde zwischen deinen Zeileneinen Platz, eine Illusion,
eine Wahrheit, die nur mir gehört.
Manch einer wird sagen, dass die Realität aber ganz anders aussieht,
mag sein, aber wer will das wissen, wenn man jetzt gerade
in diesem Raum glücklich ist?

Er besteht aus Zeilen, die nie geschrieben wurden, aus Gefühlen-
hervorgerufen aus heimlichen Wünschen, von denen der Schreiber
keinen blassen Schimmer hat und die meilenweit vom Sinn des Gemeintem
entfernt liegen können.
Ein Platz für Träume. die an der Realität zerschmettern würden.

Schreib mir weiter, mein Wortakrobatiker, lass mich verlieren,
zwischen jeder Zeile, mich versinken,
untergehen in meinen Visionen, in denen ich dich vieler Küsse bestehlen kann.


Du bist so reich an ihnen und ahnst es nicht einmal.....



Bisous,

Monique


Atemdieb

Du, mein Atemdieb,
noch weißt du nichts von dem, was du vermagst.
Hälst dich für zu unbedeutend. Ahnst nicht einmal, wie nah du mir gehst.
Im günstigsten Falle, hälst du Erotik zwischen uns für möglich.
Im Schlechtesten - löst mein Name keinerlei Emotionen bei dir aus.

Ich ging schon lange jede Möglichkeit in meiner Fantasie durch...
Im Alltag hätten wir keine Chance zu überleben.
Neben meinem Gebundensein würde Gewohnheit
zu schnell den Platz der Leidenschaft ersetzen,
langsam aber stetig den Lenden das Beben nehmen.

Nur im Sehnen wird die Glut nicht erlöschen. Eine Stillung der Gelüste
zu jeder Zeit würde sie auf Dauer nicht überleben.

Im Anfang lebt die stärkste Magie, da wo die Wirklichkeit
das selbstgeträumte Bild nicht einholt. Hält sie es erst in ihren Händen,
beginnt es langsam zu Staub zu verfallen, mit ihm das Begehren.

Deshalb schweige ich.

Ich schenke dir die Ahnungen, die Spekulation,
das austräumen der Möglichkeiten, in kleinen,
wohldosierten Gesten halte ich die Hoffnung aufrecht.

Wähne sie in Sicherheit.

Keine Angst, ich bleibe hier. Du inspirierst mich, du und mein Gefühl....
mein Sehnen zu dir.

Durch dich hab ich einen imaginären Raum gefunden,
verbotene Dinge zu erleben,
wenn es sich auch nur auf gedanklicher Ebene abspielt,
so zeigt mein Körper Reaktionen:

Ich habe Lust auf dich, auf dich und deinen aufregenden Mund.
Lust, deine Haut unter meinen Händen vibieren zu spüren,
Lust, die süße Qual in deinen Augen zu entdecken, weil sie meine spiegeln.
Und so stiehlst du meinen Atem und hast keinen blassen Schimmer,
von den Kräftern, der Magie,
die aus dieser Verbindung entstehen und den Äther füllen.

Weißt nichts von unruhigen Nächten, von der Ambivalenz in mir.
Mein Körper verlangt nach dir,
aber ich werde ihn nur reizen mit dem Angebot,
werde ihn aufstacheln, wild machen
und meine Fantasien
werden sein Futter sein, er wird niemals satt werden,
nur soviel, dass er überlebt....

Dieser Hunger wird mir Antrieb sein, wird mir Kräfte verleihen,
meine Werke zur Perfektion zu bringen,
weil dieses Begehren, dieser Wunsch, dieser unbändige Drang,
der einen zum Wahnsinn treibt, vom Wort direkt in die Seele springt.
Und jeder, der eine unerfüllte Liebe überlebt hat, mehr oder weniger,
wird sich darin wieder finden, wird die Worte lesen,
die er nicht finden konnte,
weil er im Schmerz nicht in der Lage dazu war,
weil der Schmerz viele Menschen stumm und hilflos macht
und sie nicht die Gabe haben,
das Schreiben als Ventil zu nutzen und ihn in Texte umzusetzen.

Welch Wunder es doch ist, wenn Gefühle sich ins Leben schleichen
und Besitz von einem nehmen, welch Möglichkeiten sich bieten,
ihr imenses Potenzial in soviel Schönem umzusetzen,
Kunstwerke so vollkommen und von solch Genialität zu erschaffen,
sei es in Wort, Ton oder Bild.

Die größten Werke wurden aus diesem Leid heraus erschaffen...
Unerfüllte Liebe war und ist der stärkste Antrieb.

Genie und Eros gehen Hand in Hand.


Komm, begleite mich ein Stück, wie ein zu Tränen rührendes Lied....du,
der mir so oft meinen Atem stiehlt.


M.B

 




11.Brief

Ort und Datum brauchen wir nicht mehr, seit dieser Nacht.




Etienne, mon ami....
Verzeih, ich komme jetzt erst dazu, dir wieder zu schreiben.
Ich schwebe noch irgendwo in der Zeit, als wir uns trafen.
Es waren jetzt drei wunderschöne Nächte.
Ich weiß noch genau, als du mich das erste mal zu dir nach Hause eingeladen hast.
Mein Herz klopfte sich mir fast aus der Brust, mein Atem floh mir voran, die Treppe hoch,
da standest du in de Tür, mit einem Lächeln, das alles erhellte, blauen Augen, in die ich mich hätte stürzen mögen.
Wie könnte ich erklären, Worte finden, für diesen Moment?
Noch etwas befangen umarmten wir uns.... freundschaftlich.
Hast du eine Ahnung davon, wie lange ich davon geträumt habe,
meinen Körper an deinen zu pressen? Ich sog deinen Duft aus jedem deiner Haare,
während sich unsere Wangen zur Begrüßung berührten. Dann zeigtest du mir deine Wohnung, wir standen an deinem kleinen Schlafzimmerfenster, direkt nebeneinander
und hatten einen wunderschönen Blick in die Nacht. Über den Dächern der kleinen Fachwerkhäuser lag eine Atmosphäre des 18. Jahhunderts.
Der kühle Dezemberwind küßte neckend meinen Hals, mein Gesicht,
ich glaube, er tat es aus Mitleid, weil du meinen Wunsch nicht erraten hast, der sich unübersehbar an jedem Eichenbalken, jeder Tapete, deiner Wohnung festkrallte.
Ja sogar draußen am Nachbarhaus, am Giebel konnte ich ihn entdecken. Im fahlen Vollmondlicht zitterte er um sein Leben.

Später.....gefühlte Äönen von Jahren, fasste ich meinen ganzen Mut, den ich noch nie besessen hatte zusammen,
um meine Hand auf deine zu legen. Die Angst, Ablehnung zu erfahren, erleben zu müssen, wie du deine Haut meiner entziehst,
war unglaublich. Nie könnte ich die Erleichterung beschreiben,
als genau das nicht geschah. Deine Hand blieb und streichelte mich zurück. Es gibt Wunder, die passen nicht in einen Kopf, Etienne,
und es gibt Gefühle, die orkanartig durch dich hindurch preschen, alles in dir mitreißen, durcheinanderwirbeln,
so dass du denkst, alles an und in deinem Körper wäre in einen Schüttelshaker geraten.
Du kannst dir unmöglich vorstellen, nach dieser Prozedur, auch nur im Entferntesten noch einem Menschen zu gleichen.
Dann dein Kuss! Er machte das Chaos im Herzen perfekt! Diese Nacht war unglaublich,
auch wenn wir nicht bis zum Äussersten gingen. Diese Szenen gehen mir wieder und wieder durch und durch.
Eine Wiederkäuerin der Gefühle bin ich. Tag und Nacht ernähre ich mich, von dem Kauen und der Spucke, die mir dabei im Munde zusammenläuft.


Du, allein Du,
bist der Brennstaoff,
an dem sich meine Fantasie entzündet.

Wie könnte mein Mund schweigen,
wenn dein Bild durch meinen Kopf zieht?
Wie könnte ich nicht Gedicht um Gedicht schreiben,
von all den Vorstellungen, all den Filmen,
die ich erfinde,
um all das auf irgendeine Weise erleben zu können,
was mir die Realität versagt?

Ich MUSS schreiben....ich MUSS jede Empfindung,
die mich durchzieht auf Papier bringen um, sie deinem Auge unterzuschieben,
schau nur hin, du mein Geliebter.

Hier steht es....

unterzeichnet, beurkundet, beglaubigt,
mit heißen Küssen,

deine Monique!



Ein kleiner Teil

Bis heute habe ich geglaubt
alles sehen zu können,
weil ich mit gesunden Augen zur Welt kam.
Doch es gibt weitaus mehr,
als das, was je mein Blick erreichen kann.

Es ist schon ein großes Glück an sich,
mit allen Sinnen ausgestattet zu sein.

Bis heute habe ich geglaubt,
alles fühlen zu können,
weil mein Herz kräftig schlägt,
aber ich hab nicht mal einen Bruchteil
davon zu fassen gekriegt.

Es war schon ein Glück an sich,
zu spüren,
dass es Menschen gibt,
die seinen Takt verändern können...

Die Hälfte meines Lebens ist nun um,
liegt hinter mir-
und ich werde das Gefühl nicht los,
nicht alles ausgeschöpft zu haben,
sondern nur einen minimalen Teil,
fast nicht einmal der Rede wert.

Irgendwo gibt es noch etwas ganz Großes,
etwas, wofür es keine Worte gibt,
was sich mir noch verschließt.
Ich weiß, es wartet auf mich,
aber ich kann den Schlüssel nicht finden.

Doch seid dein Blick
durch mich hindurch floss,
hatte ich das Gefühl,
ganz in seiner Nähe zu sein....

M. B
 




12. Brief



Etienne, mon petit miracle (mein kleines Wunder)


Ich will, auch wenn wir uns jetzt öfter in die Arme (und Herz) laufen, trotzdem nicht davon lassen, dir meine Gedanken zu schreiben.
Lieb ist es mir geworden, wie eine schöne Angewohnheit, die man nicht mehr missen möchte.
Dich auch nicht! Du bist meine Schwäche, die stärker als alles andere mein Leben beeinFLUSST.
Manchmal glaube ich, wenn man wirklich viel, viel Glück hat, wenn Gott einen wirklich liebt, er es dadurch zeigt,
dass man den Menschen trifft, der alles andere in den Schatten stellt. Der dem Leben einen anderen, viel tieferen Sinn gibt.
Es ist, als wäre man auf einer Reise, als sei man aufgebrochen um auf die andere Seite seines Selbst zu kommen,
jenes einem noch selber unbekanntes, unerforschtes Gebiet, das noch niemand zu Gesicht bekommen hat.
Und jeder Tag bedeutet ABENTEUER pur. Und jede Nacht mit dir, das Schlaraffenland der Sinne.

Erinnerst du dich noch,
an unsere erste gemeinsame Nacht, die bis weit in die nächste Nacht hineinglitt? Nie war eine kürzer, obwohl sie zeitlich nie länger gewesen ist.
Widerspruch? Nein....Egal wie widersprüchlich etwas sein mag, seit dieser Reise hat alles ganz andere Maßstäbe angenommen,
es gelten völlig andere Gesetze. Gesetze, die jederzeit durch andere gebrochen werden können.
Nichts hat mehr Gewohnheitsrecht, nicht mal die Sekunde einer Uhr. Sie unterliegt der Magie des Verliebtseins.
Verliebte können mit Zeit nicht viel anfangen, sie stört meist. Verliebte sind am liebsten zeitlos.

Ach, diese Nacht, ständig zaubert sie neue Träume aus dem Hut, wie ein Zauberer Kaninchen.
Aus ihr sprudeln immer neue Ideen, für Gedichte, die ich nur für dich schreibe. Meine Liebe zu dir ist der Zaubertrank,
der mich zu einer Poetin werden lässt. Ich könnte mich um die Welt schreiben und käme doch nicht am Ende meines Gefühls für dich an.

Wieder abgewichen, so ist es die ganze Zeit schon, ich kann einfach nicht bei einem Thema bleiben.
Meine Gedanken gleichen einer Wunderkerze, es funkt in alle Richtungen und jeder Funke gebirt einen neuen Ansatz.
Ich wollte doch die Pfade der letzte Nacht mit dir durchwandern, damit du sie mit meinen Augen sehen kannst.

Lass uns hinübergleiten, zu dem Zeitpunkt, als ich in deinen Armen verging. Als ich in einem ganzen Meer aus Wunderkerzen versank.
Als unsere Lippen sich fanden, passte nichts mehr zwischen uns, waren Leib an Leib gepresst, als wollten wir den anderen
durch uns hindurch drücken, ihn uns einverLEIBEN.
Auch wenn wir uns an einer Vereinigung vorbeiküssten, waren wir so elektrisiert von uns beiden,
dass wir den Gipfel der Lust trotzdem spielend erreichten, mehrmals.

Dein rythmisches Stöhnen pulst mir immer noch durch jede Ader, klingt in seinen Wänden, bis sein Echo
mir unaufhaltsam Lust zwischen die Schenkel gräbt...

Etienne, du wirst verstehen, dass ich nun unfähig bin, weiterzuschreiben.
Ich lege den Stift zur Seite,
und gehe eilig mit meinem gefräßigen Verlangen zu Bett, gedanklich unserer nächsten Nacht entgegen....

Bisous,
Monique

 


Du Zaghafter

Wir, die uns bis dahin nie berührt hatten,
die Jungfräulichkeit der Fremdheit
noch nicht verloren hatten,
lagen nebeneinander - welch Wagnis!

Die Nacht stand unter Strom,
bis unter die Haut.
Meine Hand schlich sich zaghaft zu deiner,
wollte, nein musste sich dort niederlassen.
Glühende Fingerkuppen
verbrannten deinen Unterarm,
stärker als jedes irdisches Feuer.
Trommelwirbel deines Herzens-
stolpernd von einem Schlag in den anderen,
als wolle es aus der Brust stürzen,
um aus meiner Hand zu fressen.

Dein Atem stoßweise
durch das Zimmer geschleudert,
er wird nie wieder einen Ausweg finden,
für immer dort sein Unwesen treiben.

Sehe sie noch vor mir, deine Befangenheit,
in deinen Augen,
deine Blicke,
flatternd wie ein Kolibrie.
Ich stehle ihm die rosablassen  Hibiscusblüten
und biete ihm meinen feurig-fordernen Mund!

Du schlägst ein.


M.B
 





13. Brief

Weißt du Etienne, mein lieber Etienne....

gestern war ich wieder bei dir, den Weg dahin nehme ich fast schwebend.
Kennst du das Gefühl, wenn man von Liebe getragen wird?
Alles wird leicht, so leicht....
Selbst das Grau, dieses schwere Grau der Stadt, scheint den Flugversuchen
ausgesetzt zu sein. Schwertönige Farben haben bei der Liebe schlechte Karten.
Alles ist bunt! Auch schwarzes.
Viele mögen lachen, sich über mich lustig machen, könnten sie meine Briefe an dich lesen.
Sollen sie nur, denn das gibt mir die absolute Sicherheit: Sie waren noch nie so verliebt wie ich! Dann tun sie mir leid. Ich könnte fast weinen, darüber. Es macht mich richtig traurig.
Ich finde jeder Mensch hat ein Recht darauf, so sehr verliebt zu sein, dass alles um ihn herum schwerelos und flügelvoll wird.
Ein Grundrecht sozusagen.

Dann bei dir. Endlich!
Wir haben uns geküsst, nachdem du schon wartend in deiner Tür standest.
Umarmt hast du mich und fest an dich gedrückt.
Ich habe dir ein wenig Januar mit nach eben gebracht, die Kühle des Abends
hat mich abgefangen, bei der Hand genommen und ich habe dich damit berührt,
deine Wangenröte mit ihr bekannt gemacht. Nun sind sie Freunde.

Mein Liebster, ich konnte dein Herz pochen fühlen.
Es drängte sich durch meine Winterjacke hindurch, um mir mitzuteilen,
dass ich sehnsüchtig erwartet wurde.

Du hast mir erst einmal meine Hände gewärmt, hast mir den Januargruss zärtlich abgestreift, bis die Wärme deiner Hände meine Finger hinauf, in meinen durchgefrorenen Körper sprang.
Weißt du, wie nah du mir in solchen Momenten bist?
Näher, als sich viele Menschen beim Sex sind. Für viele ist Sex heutzutage eine Entspannungstechnik geworden, eine alltägliche Sache, wie essen und Haushalt machen.
Aber alleine diese zärtliche Geste von dir, wiegt so viel mehr, als dieser Akt der abgestumpften Seelen.

Du Liebster, bist noch so unerfahren in der körperlichen Liebe, und trotzdem tust du instinktiv genau das Richtige. Ein Naturtalent! Auch wenn wir beide es noch nicht bis zum Äussersten haben kommen lassen, deine Seele liebt jetzt schon tiefer, intensiver, als jemand, der seine Liebschaften wie Unterwäsche wechselt.
Deine Arme, dein Blick, deine Lippen, deine Haut, du verstehst es, mich mit all deinen
dir zur Verfügung stehenden Mitteln bis aufs Blut zu reizen, das Tier in mir zu wecken. Möchte meine Zähne in deinen pulsierenden weichen Hals schlagen, dir meine Fingernägel ins Fleisch graben, weil du mir jede Sanftheit von meinem Wesen reißt. Jede Zelle in meinen Körper mutiert zu einem Drachen, feuerspeiend, alles in Brand setzend, alles verschlingend. Du machst mich rasend.
Lässt mich jeden Anstand vergessen, bis ich nur noch Trieb bin, reiner Trieb.
Ich trau mich nicht mir auszumalen, wie es sein wird, wenn wir endlich ganz in uns verschmelzen.
Wenn wir uns verlieren im Höhepunkt, den Gipfel des größten, erreichbaren Glückzustandes.
In dem Moment vollkommener Ekstase.

Wer werde ich dann sein, Etienne?


Mit glühendem, etwas angstvollem Herzen,
Monique.



Stets von vorn

Wieder und wieder derselbe Film:

Meine erste zaghafte Berührung.
Dein Erdbeben unter Haut und Blick,
als Antwort darauf.
Atemstöße,
entkommen fast übermütig
unseren Wanderlippen,
jagen sich durch das Zimmer,
wie junge tollende Hunde,
um sich dann spielerisch
ineinander zu verbeißen.
Wir tun es ihnen nach
in dieser Nacht,
und nun läuft dieser Film
Nonstop an jeder Ecke,
anlehnend an jedem Lidschlag....


M.B

 




14. Brief


Etienne, komm, höre mir wieder zu....

Ich habe dir einiges zu sagen, es fällt mir schwer, ich rede nicht gerne
über die Zeit vor dir. Es ist, als hätte ich mich
aus ihr herausgestohlen, unauffällig und leise wie ein Dieb.
Ich habe die Tür geschlossen....
Dahinter liegt etwas, dem ich den Rücken gekehrt habe, den von dir liebkosten.
Für dich aber öffne ich noch einmal einen kleinen Spalt, weil die Vergangenheit nie vergangen genug ist,
als dass sie keinen Einfluss mehr nehmen könnte.
Sie ist wie ein Geist, der dir immer folgt, nicht greifbar, aber da.
Ich möchte blind sein für sie,
weil ich nur noch für die Zeit mit uns lebe. Und doch,
ich muss dich eine kurzen Blick drauf werfen lassen, weil sie untrennbar mit mir
verbunden ist. Vieles wird dir klarer werden, nicht nur schönes. Davor habe ich Angst.
Aber es ist unabdingbar, wenn ich will, dass du mich verstehst,
mich und mein Handeln und letztendlich die Größe von uns zu begreifen, das Wunder!
Etienne, ma Cher, ich will, dass du dir genau dieses bewusst machst: Das es ein riesiges Glück ist,
das in diesem Ausmaß unter dieser Vorgeschichte erleben zu können, ja zu DÜRFEN.
Diese unglaubliche Konstellation von uns beiden. Nie wieder wird es so etwas
noch einmal geben. Nicht alle Paare werden diese Tiefe, diese Sinnlichkeit
so in sich einsaugen und daran berauschen können, wie wir beide es tun.
Dazu muss dieses unerklärliche, blinde Vertrauen da sein, dieses Gefühl sich schon aus vielen Leben zu kennen.
Und das Schöne ist, dass es diese Reinheit des Gefühls gibt, der Liebe, egal, wie oft man sein Herz schon verschenkt hat.
Diese haltlose Liebe, die dir alles nimmt und doch doppelt soviel zurückgibt.
Ich würde mir für die Welt und für jedes Leben genau dies wünschen.
Um wie vieles friedlicher würde es dann hier sein. Weißt du, ich bin mir ganz sicher,
wo wahre Liebe einmal seine Hand im Spiel hatte,
wird diese Seele niemals mehr verloren sein.

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um dir zu  gestehen:
Mein Herz zeigte nyphomanische Züge, verliebte  sich oft und falsch.
Es war immer auf der Suche, wie ein junger Kolobri, der von Blüte zu Blüte fliegt, eine schöner als die andere,
um den süßesten Nektar zu kosten, den höchsten Genuss zu finden,
diesen, bei dem man weiß, dass es keine Steigerung mehr gibt! Die alles vom Drang zu Suchen erlöst.
Etienne, du bist meine schönste Blüte. Jene, die meinen Durst zu stillen vermag, die jeden Wunsch,
in fremden Gärten zu wildern null und nichtig macht. Vergessen, all die anderen Belanglosen, 
seit deinem ersten Blick, der Liebe trug.
Heute weiß ich: Es sind nicht immer die schönsten Blumen, die den süßesten Nektar besitzen.
Es sind jene, die unser Innerstes so berühren können, dass jede Mauer, jede Grenze,
jede Kette sich in Nichts auflöst. Und man selbst gleich mit.

Man ist NICHTS und doch ALLES.....
verstehst du mich, Etienne.....?

Deine, die erst durch dich - ICH - in Vollendung bin,
Monique.



Wie ein verglühender Stern
Ein Herz,
welches bis ans Ende seiner Tage,
ohne geliebt zu haben- fällt,
ist nichts weiter
als ein Häufchen Elend,
in einer - vor Wunder-
aus den Nähten
platzenden Welt.

M. B

 




15. Brief



Mein schweigsamer Etienne.....

Es ist etwas ruhiger um uns geworden, seit ich möglichst sanft versucht habe,
dir meine Vergangenheit zu offenbaren. Es ist mir wahrhaft nicht leicht gefallen, mitten in unsere junge Liebe hinein,  aus vergangenen Zeiten zu erzählen.
Denkst du, ich habe unseren Traum veraten?

Aber nein....das habe ich nicht getan, nicht aus meiner Sicht.
Ich habe dir nur etwas aus meinem Leben erzählt, wollte, dass du Dinge, oder mein Handeln einfacher verstehen kannst.
Es mag dir als, dass ich dich der Illusion beraubt habe,
dass du der einzigste Mensch bist, der mir etwas bedeutet.
Aber deshalb fühle ich doch nicht weniger für dich!
Liebe wird nicht weniger, auch wenn man mehrere Menschen am Herzen liegen hat.
Selbst wenn es niemanden sonst neben dir gäbe, könntest du nicht mehr Platz in meinem Herzen einnehmen, als du ihn jetzt schon hast.

Ma Cher, lass uns nicht an Morgen denken, nicht an Jahre im Voraus.
Viele Menschen machen den Fehler, nie im Jetzt vollkommen glücklich zu sein, sie sind überzeugt davon, dass die nächste Minute, noch mehr Glück enthalten müsste.
Die Menschen sind Jäger, Etienne....
Kaum haben sie den einen Wunsch erlegt, schenken sie ihm kaum noch Beachtung
und visieren schon den nächsten an, dabei haben sie den letzten Sieg nicht mal ausgekostet.

Ich, mein Lieber, möchte jede Ausbeute an Augenblicken, die ich mit dir erleben durfte,
in Momenten, wo wir uns nicht sehen können,
immer wieder vor meinen Augen vorbeiziehen lassen. Möchte jedes bereits erlebte Gefühl, jede Nuance deiner Gesichtsmimik wieder zum Leben erwachen lassen,
bis sie mir in Fleisch und Blut übergegangen ist,
wie ein Gedicht, welches man in Kindertagen auswenig lernen musste.

Möchte irgendwann mit Gewissheit sagen können, dass das Blau deiner Augen,
jedem Himmel Konkurenz machen kann. Möchte jeden zynischen Zug um deinen Mund ,
wenn du dich über die Dummheit der Menschen aufregst, jeden Blick, der oft fragend auf meinen Lippen hing, in meiner Erinnerung konservieren.
Ich möchte dich quasi aus meinen Gedanken heraus jederzeit manifestieren können,
fast zum Greifen nah. Manchmal, wenn ich das versuche, kann ich sogar den Geruch, die Quintessenz unserer Küsse, das Aneinandereiben unserer Leiber riechen.
Sogar das kalte Mondlicht.
Ich glaube Liebende besitzen ausgereiftere Sinne, sie schöpfen mehr Potenzial aus.

Magst du mich bald wiedersehen?
Es tut weh, so lange ohne dich zu sein,
auch wenn ich die Erinnerung immer bis zum letzten Tropfen ausquetsche,
kommt sie nicht annähernd an die Realität heran,
an die Wärme deiner Haut.

Bisous,
immer deine Monique

 


 

16.Brief

 

Du, mein Dich- nicht- Blicken-lasser...

auch wenn ich mich tagelang deinem Schweigen angepasst hab,
mich bedeckt gehalten hab,- und zurück,
konnte ich nicht umhin,
nachts zu deinem Haus zu gehen.
Ich musste dir wenigstens geografisch nah sein,
wenn mir dein Herz schon weltenweit entfernt schien.
Deine Zimmer waren erleuchtet, ich habe Schatten gesehen,
scheinbar reges Treiben zu so später Stunde. Aber die Sihouletten hatten keine weiblichen Formen, das ließ mein Blut weiterhin zwar aufgeregt, aber nicht hysterisch
meinen Adern entlangbrausen. Schneeflocken wollten mich zum Tanz locken,
aber ich blieb bewegungslos dort stehen. Meine Fußabdrücke müssen die tiefsten dort in deiner Strasse sein, denn ich war so lange da, dass ich den Mond die Hälfte seines Weges
mit meinen Augen begleitet hab. Die Kälte hatte mich so steif werden lassen, und mein Herz so schwer, hatte kaum die Kraft, meinen Heimweg anzutreten.

Mit deinem Rückzug hab ich gerechnet, mon Cher,
nach meinem Geständnis,
welches ich dir ungefragt vor dein Himmelsaugenblau schrieb.
Du hast so schnell keine Wolke gefunden,
die du vor der für dich - grausamen Wahrheit hast schieben können.
Aber, dass es für dich scheinbar nicht überbrückbar war?
Mein Ehering scheint für dich das zu sein, was für einen Vampier der Knoblauch ist...
Er scheint ein Ozean zu sein, wo ich nur einen etwas tieferen Graben vermutet hab.
Etienne, ich weiß nicht, wo du nun stehst.
Du hast immer noch nicht geschrieben, ich habe nicht mal in deinem Blick lesen können,
was nun wortlos zwischen uns liegt.
Ich weiß nichts und fühle so viel. Vor allem Tiefe....unüberbrückbare, von deiner Seite.
Warum nur,
hast du dich für solch eine Weite entschieden, die uns nun trennt?
Ich kann nur Wellen sehen, diese Unruhe, vermute einen starken Sog unter der Oberfläche,
einen, der jedes Boot, welches ich in der Hoffung, dass es mich zu dir bringen kann,
verschlingt!

All die Tage vergingen, ohne eine Spur von dir. Mit jedem neuen Morgen dämmert mir immer mehr der Verdacht, dass du wie Morgennebel aus meinem Leben verschwindest,
und ein klares Bild vom vollen Umfang des Verlustes hinterlässt, wenn du dich erst ganz verzogen hast.

Ich weiß nicht, ob mir die Welt in ihrer glasklaren Gestalt, ohne deinen schützenden Schleier
gefallen wird. Es ist, als hätte sich ein Traum verzogen, ein Traum, der seit deinem Eintritt in mein Leben die harte Realität gedämpft hat, sie fast unwirklich hat erscheinen lassen
und damit für mich viel angenehmer, lebenswerter.

Nun reißt du mir diesen Schutz-Schleier wieder fort und keine Hand, keine Brille vermag mich vor dieser kalten Lebens-Grelligkeit zu schützen, die mir die Netzhaut verätzt.

Wenn es dir irgendwie möglich ist,
verhülle mir meinen Tag wieder mit deiner Präsenz. Lass mich seelig darin taumeln, betrunken von Glück, in einem Endlosschwebezustand,
so, dass meinen Schritten kein hartes Echo mehr anhängt, welches mir bis zum Einschlafen
in den Ohren dröhnt.

Ich werde nun diese Zeilen schließen, mit einem Gedicht, wie immer.

Schwerbeladen mit Gedanken,
deine Monique.




Die gute, alte Hoffnung.

Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf,
sie sitzt neben mir,
auf dem Sofa,
wie eine gute Freundin,
die auf einen Kaffee zu Besuch kommt,
nur dass sie nicht geht,

So sitzen wir hier,
viele Tage nächtelang.
Wir brauchen nicht reden,
wir schweigen uns in den Schlaf
und erwachen gemeinsam,
ohne uns aus den Augen zu verlieren.

M.B

 


 

17. Brief

 

Etienne-Liebster...

Kann ich dir noch etwas mehr Wahrheit zumuten? Du warst ein bisschen
seltsam, nachdem ich dir von meinem verwirrten Herzen erzählt hatte.
Stiller, nachdenklicher. Deine Küsse besaßen einen leicht salzigen Geschmack,
oder hab ich mir das eingebildet?
Ich bin mir etwas unsicher....

Du weißt, wenn wir zusammen sind, reden wir nicht viel über unser Leben.
Wir LEBEN unseres.
Du weißt so gut wie nichts über meine Vergangenheit, hast nie etwas gefragt,
als hättest du Sorge, etwas zu erfahren, das unser Paradies gefährden könnte.
Auf Dauer können wir das nicht ausklammern, ma Cher.
Ich bin auch noch der Mensch, vor unserer Zeit. ER ist nicht verschwunden, genausowenig,
wie die Probleme und mein Umfeld.

Weißt nicht, aus welcher Welt ich komme, oder wie ich da hineingerutscht bin.
Von dir weiß ich, dass du Single bist, immer warst. Das hat mich sehr berührt, da ich in den Genuss komme, deine ERSTE zu sein. Ich werde dich ein wenig prägen, mit der Zeit, die ich mit dir verbringe, mit meinen Gedanken, meinem Wesen, meinem Denken.
Kein Mensch geht von einem anderen Menschen, den er liebte, so wie er gekommen ist.
Ich werde dir auf ewig etwas hinterlassen, falls sich unsere Wege je wieder trennen sollten.

Ich muss dir etwas gestehen, etwas, dass dir vielleicht Kopfzerbrechen bereitet, etwas, das du vielleicht niemals würdest wissen wollen, weil es alles in einem anderen Licht stellt. Weil es Probleme geben kann.

Und auch auf die Gefahr hin, dass ich dich jetzt ganz verliere, muss ich es klarstellen:

Ich bin verheiratet!

Hast du diesen Zustand jemals in Erwägung gezogen? Er ist ja nicht absurd,
denn ich bin eine Frau, die Körbe nicht kennt, die jeden um den Finger wickeln könnte.
Eine, die nett anzusehen ist und die Charisma, Charme, Erotik und Köpchen hat.
Jene Mischung, der kaum einer widerstehen kann. Hast du es vielleicht einfach ausgeblendet, gar nicht für möglich halten WOLLEN?

Keine Angst, ich habe mich nicht wahllos hingegeben, das würde ich nie tun.
Ich war immer nur auf der Suche nach meinem Gegenstück, nach einem Mann,
der mir das Gefühl gibt, nichts mehr vermissen zu müssen.
Ich habe mich nach Sex verzehrt, nach Körpern, die mir Befriedigung geben konnten.
Leider blieb meine Seele am verhungern. Ich konnte sie nicht sättigen,
ich konnte nicht finden, was sie schweigen ließ. Und hatte ich dann jemanden gefunden,
der schon ziemlich nah dran war, fehlte wieder der Teil, der das körperliche zu stillen vermochte. Es gab niemanden, der in der Lage war, beides zu stillen. Ein Teil in mir schrie immer nach Nahrung. Glaub mir, ich hab nichts unversucht gelassen, jenen Mann zu finden,
der beides vereinigt.
Bei meinem Mann habe ich das geglaubt,
er war länger als jeder andere in der Lage, mich langfristig glücklich zu machen.
Er ließ mir alle Freiheiten um mich zu entfalten und das auf jedem Gebiet.
Er gab mir ein stabiles Umfeld, ich war finanziell abgesichert, er trug mich auf Händen.
Auch heute noch. Nur leider wurde von meiner Seite aus, nach ein paar Jahren, Freundschaft aus Liebe. Ja, auch das ist möglich. Es ist nicht nur so, dass aus Freundschaft Liebe werden kann. Verstehst du, Etienne?
Niemand hat etwas falsch gemacht, keiner trägt Schuld. Es war eine Möglichkeit von vielen, eine Entwicklung über all die Jahre. Wenn man jede Zeit zusammenverbringt, wenn man sich in und auswendig kennt, dann kann sich das Verhältnis ändern.
Irgendwann auf einmal wacht man auf, und man merkt, man lebt wie Bruder und Schwester zusammen. Für mich ist es so, als würde ich eine Lebensgemeinschaft mit meinem besten Freund führen. Es war immer gut so, ich hab mich damit reletiv gut abgefunden.
Ich schätze ihn als Mensch, er kann sich auf mich verlassen. Wir sind gute Eltern und wollen, dass die Kinder geborgen und sicher aufwachsen. Dafür stellen wir viele eigene Bedürfnisse hinten an.
Ja Etienne, ich habe Kinder. Zwei. Sie sind zu wunderbaren Halbwüchsige herangereift.
Du würdest mich in jeden von ihnen wiederentdecken.
Sie haben mein Temprament geerbt, leider auch mein viel zu großes, weiches  Herz
Ich liebe sie über alles!
Dich auch....

Nur ist es eine andere Liebe, man kann die Liebe zu Kindern nicht mit Liebe zu einem Mann messen. Doch für beide Lieben würde ich mein Leben geben.

Lass mich hier den Brief für heute schließen.
Du wirst verwirrt sein, vielleicht auch enttäuscht,
doch ich hoffe, ich bete, dass du dich deshalb nicht von mir abwendest.
Ich werde dir bald mehr erzählen, ma Cher.
Wisse nur eines von meiner Seite aus. Nichts und niemand wird an dem etwas ändern, was wir bereits haben.
UNS und unsere gemeinsame Zeit.

Deine, mit allen Sinnen,
Monique.

 


 

Ort: Es ist Winter im Frühling für mich.

 

Bonjour Etienne,
 
du findest das zu förmlich? Gewiss, es könnte auf dich so wirken, weil du so auf mich wirkst. Weißt du, mein Lieber,
die äussere Welt spiegelt immer auch deine Innere. Du hast dich von mir entfernt, in Wort und in Bild. Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?
Ich kann das nicht in Tage zählen, denn was ein Tag an Stunden in Sehnsucht zählt,
sind 365 Höllentage in meinem Herzen, wenn kein Lebenszeichen von dir mich erreicht. Und es waren verdammt viele.
Die Zierkirschen an den Straßen stehen schon in voller Blüte, überall strecken Krokusse, Primeln, und Narzissen geradezu neugierig ihre Köpfe in die Höhe.
Sie suchen den Frühling und ich dich. Immer noch einmal täglich führt mich mein Weg, wie unter Zwang in die Straße, wo du wohnst,
von dem Zeitpunkt ab, als ich die halbe Nacht völlig durchgefroren unter der der schweren, alten Eisenlaterne vor deiner beleuchteten Wohnung stand.
Monate sind vergangen. Ein paar davon musst du in Urlaub gewesen sein.
Das war genau in dem Zeitraum, als ich dir die Umstände aus meinem Leben anvertraut hatte.
Niemals hätte ich für möglich gehalten, dass dich das dermaßen getroffen hat.
Es kam mir vor, als wärst du vor mir und unserer Zeit geflohen, als wolltest du alles hinter dir lassen,
als hofftest du, das Erinnerungen vor der grenze eines anderen Landes Halt machen.
Das tun sie nicht. Du wußtest das und trotzdem musstest du den Versuch wagen,
das zeigt mir, in welcher aussichtslosen Situation du dich gefangen gefühlt haben musstest. Das wollte ich nicht.
In meiner Vorstellung ging die ganze Sache anders aus.
In meiner Vorstellung hast du mich einfach in die Arme genommen und gesagt: Egal was ist, wir finden einen Weg,
zusammen zu sein. Nichts wird uns je wieder trennen können.
 
Wie einfach doch alles in meinem Denken war!
Wie verflucht einfach in meinen Träumen, Gedanken und Gedichten,
denn dort bin ich der Regisseur.
 
Du hast einfach angefangen,
ein anderes Buch zu schreiben,
weil dir meines zu bunt wurde,
eines in dem von mir keine Rede ist.
 
 
Doch du bist und bleibst in meinem,
ich lasse das Ende offen,
für die Phantasie der Leser,
doch vor allem
für mich.
 
Ich bin und bleibe eine Träumerin
bis zum letzten Atemzug.
 
Monique