Seelenchaos

Seelenloser

Gedankengedicht zum Thema Befreiung


Leerer Blick fällt aus deinem Gesicht,
er starb bereits im Sturz zu deinen Füßen.

Fühlst dich zusammengewürfelt,
nichts scheint zu passen,
Ein einziger Widerspruch-
das was du bist!

Nicht einmal dein Schatten
hält es mit dir aus,
verharrt in Fluchtposition,
immer unter Spannung,
kurz vorm zerreißen.

Dein ganzes Leben
scheint ein Gang
zu deiner eigenen
Beerdigung zu sein,
und du hinterläßt
nicht mal eine scheiß Spur.

Das Loch ist schon geschaufelt,
die Erde lädt dich ein
zur feuchten Ruhe,
bereit
ihren Fehler
zu verschlucken.

Du hörst schon die Totenglocken,
dein Herz schlägt mit ihnen im Gleichklang,
das einzige,
was miteinander zu harmonisieren scheint.

Und du suchst den Abgrund,
er kann niemals so viel Leere enthalten,
wie deine Seele!
Du willst ihn endlich entsorgen,
diesen Irrtum,
der sich dein Leben nennt...

M.Brandt

 

 


 

 

 

Der Schönwortverzehrer
 

 

(Text zum Thema Abhängigkeit)

 

 

Er lebt davon. Er träumt davon. Würde verdursten und vertrocknen ohne ihren Liebreiz.

Die Worte schöner Frauen streicheln sein Ego, wie eine zarte Hand.

 

Befreien seine Wunden eine zeitlang vom Schmerz der Nichtbeachtung, der tief in ihm wütet.

Mit Komplimenten versucht er sie sich gefügig zu machen.

 

Seinen Charme bringt er spinnennetzähnlich an, hoffend, dass er die Beute gefangen hält. Er braucht die alleinige Bewunderung.

 

Seinesgleichen verspottet er, schon die Ahnung darum versetzt ihn in Rage. Ihm allein sollen sie Achtung und Respekt zollen.

Unterwürfig haben sie zu sein und ihm das Gefühl eines Königs zu geben, erhaben zu sein.

 

Ihre Demut möchte er erfahren, durch jede Geste, durch jedes Wort. Für jede seiner Auserwählten der Einzige zu sein,

danach lechzt jede Zelle in ihm. Nur das lässt ihn Glück empfinden.

 

© Martina Brandt

 

 

Ruheloses Wesen du...

Gedankengedicht zum Thema Ermutigung


Du trägst an der Schwere
deiner Ängste.
Dein Herz ist aus der Puste,
dein Seelenkleid
reif für die Altkleidersammlung.

Flüchtig dein Blick,
zu schnell und unstet,
um die kleinen Wunder zu sehen.
Das kleine Vergissmeinnicht
bricht unter deinem schnellen Fuss.

Ruheloses Wesen du!
Was treibt dich nur durch deine Zeit?
Du findest was du suchst in dir,
alles andere liegt zu fern, zu weit.

Halte stille deinen Blick
und sieh dich nur mal um.
Lass die Arbeit Augenblicke ruhen,
atme Sonne, lebe-
und mach dich nicht nur krumm.

Schwindelfrei musst du nicht sein,
wenn vieles dir zu hoch erscheint.
Pass nur auf dass du nicht stürzt!
Man verlernt das Lachen nicht,
nur weil das Aug mal Tränen weint...

Ruheloses Wesen du!
Was treibt dich nur durch deine Zeit?
Du findest was du suchst in dir,
alles andere liegt zu fern, zu weit.


M.Brandt

 

 

Menschenscheu

Gedankengedicht zum Thema Außenseiter


Totale Unruhe,
die sie nicht schlafen lässt.
Jede Nacht stürzt sie sich
in die Lichter der Stadt
betrinkt sich an ihren Farben.

Sie kann nur kaltes Licht ertragen,
der Sonne geht sie aus dem Weg,
sie schmerzt in Herz und Augen.
Doch die Dunkelheit,
die Kühle des Abends
legt sich wie eine heilende
Wickel um ihren Körper.

Der Tag birgt zuviele Menschen.
Sie hetzen umher,
mit ernsten Gesichtern,
nehmen nichts um sie herum mehr wahr,
sind gefangen in ihrem Alltag.
Doch nachts, sind die Städte leer,
nur vereinzelt
trifft man ruhelose Seelen,
die wie sie keinen Schlaf finden.

Man nickt sich verstehend zu
und verschwindet wie ein Geist
zwischen schlafenden Häusern
und sie weiß,
irgendwo liegt dieser eine Mensch,
der ihr die Ruhe geben könnte,
friedlich in seinem Bett und
ist bei Tage einer dieser Menschen,
die sie nie trifft,
weil sie sich verkriecht,
wenn das Leben pulsiert,
welches ihr auf unerklärliche Weise
Angst macht.

© M.Brandt

 

LEID.WESEN

Es gab viel
was mir Leid brachte
es gab viele Menschen
die zu arm für ein Lächeln waren

Doch ich gab nicht auf
daran zu glauben
dass es jemanden gab
dem ich wichtig war

jemanden
der mir jederzeit
ein Lächeln geben konnte
wenn ich wieder einmal
an der Welt erfror

Als Kind nie verstanden
warum mir Hände zu nah kamen
die nahmen
was ich nicht geben wollte

Das Nein eines Kindes
hatte keinen Wert
vieles hatte sich ab dieser Zeit
tief in mir gesperrt

Hab gelernt zu schweigen
Manch Geheimnisse
möchte niemand hören oder sehen
Manch Seele ist verdammt zum bleiben

Irgendwie angekommen
im Körper einer  Frau
Ziemlich viel abbekommen
doch die wirklichen harten Lehren
bekommt man nicht für lau

Dafür bezahlt man mit vielen Tränen
und Kindernächten voller Angst
mit vielen verstörten Blicken
ja du reifst schneller wenn du bangst

Heut senke ich den Blick nicht mehr
Für das was man mir angetan
werde ich mich nicht verstecken
Ich bin raus aus diesem dreckigen Spiel
ohne daran zu verrecken


© M.Brandt

 

Das Versteckte

Gedanke zum Thema Eigene Welt


Da ist ein Teil von mir,
welches ganz aus meiner Art schlägt.
Sämtliche Versuche ihn zu ignorieren
schlugen bereits fehl.
Es zeigte sich an unmöglichsten Orten,
zu unpassendsten Zeiten
Legte sich wie eine Gänsehaut auf meinen Leib,
ließ mich frieren,
obwohl heißester Sommer war.
Ließ mich schwitzen,
obwohl Schnee vom Himmel auf meine Wangen fiel,
dessen Röte seine Flocken schmelzen ließ.
So ein Verräter!

Da ist ein Teil von mir,
den ich nie sehen wollte,
dessen Stimme ich nie hören wollte,
egal wie laut dieser aus meiner Seele schrie.
Nun weiß ich,
er wird nie schweigen
und er wird auch nicht unter meiner Haut ersticken.
Im Gegenteil!
Er wird mir seine unbändige Kraft und Stärke
auf die Lippen legen,
bis sie blutig gebissen sind,
vom Versuch ihn zurück zu halten.
Und dann werde ich ihn aussprechen müssen,
diesen Namen,
dann wird er frei sein
und zu mir gehören,
ganz egal,
was es mich kosten wird.

M.Brandt

 

 

Durch alle Zeit

Gedanke zum Thema Ewig/ Ewigkeit


Ich tanze für mich allein
wenn die Sterne am Himmel
mir die Noten sind
und das Zirpen der Grillen
und das Rauschen des Schilfes
mir die Musik spielen

Dann wiege ich mich im Takte
der Sehnsucht
die mir mit jedem meines Herzschlages
durch den Körper schießt
Das silberne Mondlicht
vermag mein heißes Blut
nicht zu kühlen

Meine Augen schließen sich
mit den Blüten um die Wette
und mein Atem kostet die Freiheit
um noch in tausend Jahren
Kunde von mir und diesem Ritual zu tun
in den Lungen anderer
vermischt mit ihrer Atemluft

Eine Legende werde ich sein
die als Odem von Mund zu Munde geht
ihren Körper durchwandert
ihnen Sauerstoff gibt
um den unsterblichen Teil von mir
von Leib zu Leib
durch alle Zeit zu tragen

Die wie keine andere
von einer einzigen Nacht erzählt
die so göttlich
so schmerzend schön war
dass selbst ich
an Unsterblichkeit glaubte
ja glauben MUSSTE


M.Brandt

 

 

Immer der Versuchung ausgesetzt

Gedanke zum Thema Versuchung


Bin nicht der Schmetterling
der spielend tanzt im Sonnenlicht
Zuviele Farben hat der Tag
lässt mich unsicher sein
welche Blüte die schönste trägt
Diese Auswahl
lässt mich nicht zur Ruhe kommen
verwirrt meine Sucherseele

Ich bin der Schmetterling
der im Glanz des Mondes fliegt
er verleiht Grautönen
verschiedene Nuancen
reduziert all die Chancen
die mich nicht wählen lassen
weil jede andere intensiver
noch verlockender sein könnte

Hier in der Nacht fühl ich mich sicher
schwebe durch Nebel und Kühle
durch dunkle Schatten
ohne Regenbogeneffekt
Jenes zügelt meine Gier
hält die Auswahl in Grenzen
und beschränkt mein
ALLES HABEN WOLLEN

M.Brandt

 

Sehnend laut

Gedanke zum Thema Suche

 

Du weißt nicht
wann es anfing
diese Sehnsucht danach
Irgendwann war es einfach da
hatte sich in deine Seele
wie eine Katze in einen Schoß gekuschelt

Wenn es schlief
ging es dir gut
Aber wehe es ging auf Raubtour
wehe es brauchte Nahrung
dann bohrte es dir seine Krallen
in die Brust
bis es dir vor Schmerz den Atem nahm

Du hast gesucht danach
Nach dem
was das Rastlose in dir
endlich zum Schweigen brachte
Du fandest es nicht im Wort
und nicht im Bild oder Ton
Im Frühling
war die Sehnsucht danach stärker
oder an Tagen
wo Melancholie wie der Herbstwind
durch deine Rippen blies

Du suchtest es in Gesichtern
oder Träumen
im Unausgesprochenen
oder in Gelegenheiten
Hast jeden und alles
auf Herz und Nieren geprüft
doch das Sehnen blieb
Schlimmer noch
je intensiver die Suche war
um so stärker wurde der Drang
es zu finden
Jenes
welches alles Suchende
in dir verstummen lässt

S E E L E N S T I L L E

M.Brandt